





Triest, die Hauptstadt der Region Friaul, liegt im äußersten Nordosten Italiens am Adriatischen Meer. Eingeschlossen von Kalkhängen liegt die Stadt in einer halbkreisförmigen Bucht, nur wenige Kilometer von der slowenischen Grenze. Die exponierte geographische Lage und die damit verbundene, wechselvolle Geschichte haben das Gesicht der Stadt geprägt. Triest war ein Schmelztiegel der Völker: Italiener, die slawischen Nachbarn und eine große jüdische Gemeinde prägten und bereicherten ihre Kultur. Den größten Einfluss aber übten die Österreicher aus. Über Jahrhunderte stand die kleine Siedlung an der Adria unter ihrem Schutz, bis Triest zum strategisch wichtigen Hafen der Habsburger Monarchen wurde.
Nach dem ersten Weltkrieg und dem Auseinanderfallen des k.u.k.-Imperiums wurde Triest Italien angegliedert und entwickelte sich zu einem Zentrum des Schiffbaus. Überall entstanden prächtige Palazzi, u.a. die Börse, die Theater und das Opernhaus.
Die Umbruchzeit war auch die Zeit der kulturellen Blüte. In den Jahrzehnten vor und nach 1900 lebten und arbeiteten die großen italienischen Schriftsteller Svevo und Saba in Triest.
Aber auch ausländische Kollegen zog es in die Stadt, wie den Schriftsteller James Joyce, Richard Francis Burton, Rainer Maria Rilke und Hugo von Hofmannsthal. Der morbide Charme der Epoche war hier besonders deutlich zu spüren und die Literaten sogen ihn begierig auf.
Um die ganze Atmosphäre und Verschiedenartigkeit der Stadt zu erleben, sollte man einen Spaziergang durch das Zentrum, entlang des Hafens und in die höher gelegenen Viertel machen.
Bekanntester Teil des Zentrums ist der malerische Canal Grande mit seinen barock verschnörkelten Pastellfassaden, Balkonen und Brücken. Die weite offene Piazza dell’Unità mit den reich verzierten Palästen ist einer der größten Plätze Italiens am Meer. Noch heute schlägt hier das Herz der Stadt. Das lang gezogene Rechteck wird von Prachtbauten gesäumt. An einer Seite aber öffnet sich die Piazza eindrucksvoll zum Meer. Von hier aus muss man nur die „Punta del Forno“ durchqueren, um in eines der ältesten Stadtviertel zu kommen. Die Namen der engen Straßen verraten noch heute, was hinter den kleinen Fenstern im Erdgeschoss verkauft wurde: Salz, Öl und Fisch. Hinter dem Platz führen enge Gassen durch die Altstadt, am Römischen Theater vorbei auf den Hügel von San Giusto mit der gleichnamigen Kathedrale aus dem 14. Jh. Von dem Hügel aus hat man einen wunderbaren Blick auf Triest. Bei der Kirche liegen Ausgrabungen eines römischen Forums und dahinter ein venezianisches Schloss aus dem 15. Jh. In den zum Teil noch original ausgestatteten Räumen wird eine Waffensammlung gezeigt, während in dem Museum Storia ed Arte, etwas unterhalb der Kathedrale, eine große Vielfalt antiker und prähistorischer Funde zu sehen sind.
Triest ist zu jeder Jahreszeit schön: im Frühling, wenn sich der Kaffeehausbetrieb wieder auf die Straßen und Plätze verlagert; im Sommer, wenn die nahe gelegenen Adriastrände locken; im Herbst, der meist angenehm milde Tage beschert. Die Dichter der Jahrhundertwende liebten vor allem die melancholische Stimmung, die sich an kalten Tagen über der Stadt ausbreitet, wenn die „Bora“, der kräftige Fallwind aus dem bergigen Hinterland, durch die Straßen fest und die Wellenkämme der Adria schaumig peitscht.